7 Gewohnheiten, die ich während meiner L&E-Jahre entwickelt habe, um mit Angst, Überforderung, Prokrastination und Einsamkeit umzugehen
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Mein letzter Blogbeitrag hat viel mehr Rückmeldungen ausgelöst, als ich erwartet hatte. Danke an alle, die ihn gelesen und mir geschrieben haben. Viele von euch haben eigene Erfahrungen geteilt, und das hat mir mehr bedeutet, als ich sagen kann.
Diese Resonanz, zusammen mit einem Instagram-Throwback aus dem Jahr 2016, hat mich dazu bewegt, weiterzuschreiben. Dieses Jahr sah von aussen aufregend aus. Ich launchte L&E. Das Produkt war bereit. Die Produktion stand. Wir gingen in den Markt. Es hätte sich nach Ankommen anfühlen sollen. Stattdessen war es eine der schwierigsten Phasen meines Lebens. Ich war bereits mitten im Burnout.
Ob als Unternehmerin, Angestellte, Mutter oder einfach als Mensch – wir alle erleben Phasen von Angst, Einsamkeit, Überforderung und Prokrastination. Manchmal leise. Manchmal sichtbar. Oft während nach aussen alles gut aussieht.
Die folgenden Gewohnheiten waren kein Wellness-Plan. Ich habe sie entwickelt, weil ich musste. Ich nutze sie bis heute. Und manchmal wünsche ich mir, ich hätte sie früher gekannt.
1. Meditation

Den Gedankenkreislauf unterbrechen
Ich bin nicht sanft zur Meditation gekommen. Ich kam erschöpft und skeptisch.
Nach meinem Burnout wurde ich durch die kognitive Verhaltenstherapie an Meditation herangeführt. Es ging nicht um Ruhe oder Erleuchtung. Es ging darum, den inneren Gedankenkreislauf zu unterbrechen und wieder handlungsfähig zu werden.
Ich habe verschiedene Formen ausprobiert, bis ich die passende für mich fand. Was mir half dranzubleiben, war das Verständnis der wissenschaftlichen Hintergründe. Meditation reduziert die Aktivität in der Amygdala, dem Alarmzentrum unseres Gehirns, und stärkt Bereiche, die für Emotionsregulation zuständig sind. Vorher hielt ich es ehrlich gesagt für esoterischen Unsinn.
Meditation stoppt Gedanken nicht. Sie verändert die Beziehung zu ihnen. Und das hat für mich alles verändert.
2. Yoga

Zurück in den Körper kommen
Das hat mich selbst überrascht.
Früher war ich High-Intensity. Lange Läufe, 10 km, schneller, härter. Doch emotionale Erschöpfung erschöpft auch körperlich. Irgendwann funktionierte dieser Ansatz nicht mehr.
Yoga wurde mein Reset. Nicht, weil es sanft war, sondern weil es mich dort abholte, wo ich stand.
Durch Atem und langsame Bewegung aktiviert Yoga das parasympathische Nervensystem. Stresshormone sinken. Der Körper bekommt das Signal: Du bist sicher.
Wenn Denken nicht mehr half, half Atmen.
3. Zehn Minuten sind besser als keine

Mein Lieblingsprinzip bis heute
Das ist die Gewohnheit, die ich am häufigsten nutze.
Wenn mich eine Aufgabe überfordert und mein Kopf sagt, ich habe keine Zeit, mache ich zehn Minuten. Nicht perfekt. Einfach zehn.
Das funktioniert, weil es den Widerstand senkt. Grosse Aufgaben wirken wie Bedrohungen. Kleine Schritte fühlen sich machbar an. Fortschritt setzt Dopamin frei und verstärkt Handlung statt Vermeidung.
Zehn Minuten lösen nicht alles. Aber sie bringen Bewegung in festgefahrene Momente.
4. Fertig ist besser als perfekt
Energie schützen
Es hat lange gedauert, das zu akzeptieren.
Ich mag Dinge gut gemacht. Am liebsten perfekt. Doch Perfektionismus wurde zu einem Hindernis. Wenn alles makellos sein muss, wird wenig fertig. Und Unfertiges hält das Stresssystem aktiv.
Die 80/20-Regel hat meine Perspektive verändert. Mit etwa 20% Energie erreicht man 80% des Ergebnisses. Die letzten 20% Perfektion kosten oft 80% der restlichen Energie.
Fertigstellung bringt Entlastung. Perfektion hält Spannung.
„Gut genug“ war kein Qualitätsverlust. Es war Energieschutz.
5. Handy- und E-Mail-Grenzen
Das Nervensystem schützen
Lange konnte ich nicht abschalten. Alles fühlte sich dringend an. Jede Benachrichtigung erhöhte meinen Stress.
Kam abends eine negative E-Mail, nahm ich sie mit ins Bett.
Mein Handy zwei Stunden vor dem Schlafen auszuschalten hat meine Nächte verändert. Morgens E-Mails zu verzögern gab mir Raum, als Mensch in den Tag zu starten, nicht sofort als Unternehmerin.
Ständige Erreichbarkeit hält das Nervensystem im Alarmmodus. Grenzen schaffen Erholung. Erholung schafft Klarheit.
6. Dankbarkeit und Vergebung
Den inneren Fokus verschieben
Unternehmer sind oft sehr streng mit sich selbst. Man misst, vergleicht, hinterfragt – und trägt zusätzlich Erwartungen von aussen.
Dankbarkeit half mir, den Fokus auf das zu richten, was da ist, statt auf das, was fehlt. Regelmässig praktiziert verändert sie unsere Wahrnehmung.
Vergebung war schwieriger. Fehler vergeben. Verzögerungen vergeben. Mir selbst vergeben.
Beides senkt inneren Druck. Und weniger innerer Druck bedeutet weniger Nährboden für Angst.
7. Work-Life-Balance

Prioritäten neu definieren
Lange hatte ich alle Eier in einem Korb.
Wenn ein Treffen nichts mit dem Business zu tun hatte, fühlte es sich unproduktiv an. Heute weiss ich, dass genau dieses Denken zum Burnout beigetragen hat.
Wir Menschen sind auf Verbindung angewiesen. Echte Beziehungen senken Stress und stärken Resilienz.
Marc Randolph, Mitgründer von Netflix, misst seinen Erfolg nicht nur an Business-Meilensteinen, sondern an seinem fixen Dienstagabend-Date mit seiner Frau – bei jedem Wetter. Diese Konstanz war genauso wichtig, wenn nicht wichtiger, als jede strategische Entscheidung.
Wenn Arbeit zur einzigen Säule wird, wird der Druck zu gross.
Was wirklich zählt zu priorisieren, schwächt nicht den Antrieb. Es stabilisiert ihn.
Schlussgedanke
Keine dieser Gewohnheiten hat Druck oder Unsicherheit entfernt. Aber sie haben verändert, wie ich damit umgehe.
Ich lerne immer noch. Manchmal funktioniert alles. Manchmal falle ich in alte Muster zurück. Manchmal muss ich etwas neu lernen, das ich eigentlich schon wusste.
Es gab keinen Moment, in dem ich den Code geknackt habe.
Aber diese Werkzeuge helfen mir, zurückzufinden. Neu auszurichten. Anders zu entscheiden, auch wenn es nur kleine Schritte sind.
Sich selbst zu regulieren ist kein Gegensatz zum Business. Es ist Teil des Fundaments.
Und Fundamente brauchen Pflege.